Was ist Grading von Karten und wann lohnt es sich (PSA, BGS, CGC, SGC)
Grading ist eine fachkundige Bewertung des Kartenzustands durch ein unabhängiges Unternehmen. Du schickst die Karte ein, ein Experte untersucht sie unter Vergrößerung, vergibt eine Note und versiegelt sie in einem stabilen Gehäuse (Slab) mit einer Zertifizierungsnummer, die online überprüft werden kann. Das Ergebnis: Der Käufer muss deiner Beschreibung „near mint" nicht glauben — er vertraut der Note. Deshalb werden gradierte Karten teurer und schneller verkauft als rohe (raw) Karten.
Wie Grading abläuft
- Du wählst die Karten und den Service aus (Geschwindigkeit, Versicherungswert — davon hängt der Preis ab).
- Du sendest die Karten in Schutzhüllen (Penny Sleeve + Card Saver, nicht Toploader, es sei denn, das Unternehmen gibt etwas anderes vor).
- Das Unternehmen bewertet die Karte, versiegelt sie im Slab mit Etikett und Zertifizierungsnummer.
- Die Nummer kann von jedem in der Online-Datenbank des Unternehmens überprüft werden — das ist der Hauptschutz gegen gefälschte Slabs.
PSA — die bekannteste und liquideste
PSA (Professional Sports Authenticator) verwendet eine Skala von 1–10 mit halben Noten ab 8,5. Die höchste Note ist PSA 10 Gem Mint, darunter PSA 9 Mint. PSA hat nichts über zehn — keinen „Pristine"-Grad. Die Stärke von PSA liegt in der Liquidität: PSA 10 wird am leichtesten verkauft und Preisdiagramme (z.B. auf eBay) sind bei PSA am umfangreichsten. Schwächere Karten (8 und weniger) im PSA Slab überschreiten oft den Preis eines schönen Raw-Stücks nicht.
Beckett (BGS) — Subgrades und Black Label
Beckett bewertet vier Kriterien separat: Zentrierung, Ecken, Kanten und Oberfläche (Subgrades). Aus ihnen setzt sich die Gesamtnote zusammen:
- BGS 9.5 Gem Mint — goldenes Etikett, normales „Top"-Ergebnis.
- BGS 10 Pristine — goldenes Etikett, deutlich strengere Kriterien.
- BGS 10 Black Label — schwarzes Etikett: alle vier Subgrades müssen 10 sein. Weniger als ein halbes Prozent der eingesendeten Karten erhalten es, und der Markt zahlt eine große Prämie dafür.
Subgrades sind sowohl ein Vorteil als auch ein Nachteil: Du siehst genau, warum die Karte nicht mehr bekommen hat — aber Käufer sehen das gleiche, also drückt eine „hässliche" Subgrades-Note den Preis nach unten.
CGC — Vorsicht vor dem Unterschied Gem Mint 10 vs. Pristine 10
CGC hat an der Spitze der Skala zwei verschiedene Zehnen — und das verwirrt am meisten, genau wie du im Shop sagst „ich habe CGC 10" und niemand weiß, welche:
- CGC 10 Gem Mint — Karte auf Zehn-Niveau, aber ein Kriterium erfüllt nicht die Pristine-Anforderungen; die Zentrierung darf ungefähr 55/45 sein.
- CGC 10 Pristine — Karte ohne Fehler auch unter 10×-Vergrößerung, Zentrierung 50/50. Sie ist deutlich seltener, und bei gefragten Karten wird sogar das Doppelte des Gem Mint 10-Preises gezahlt.
Beim Kauf eines CGC Slabs solltest du also immer überprüfen, welche Zehn es ist — es steht auf dem Etikett. „CGC 10" ohne Zusatz sagt nichts aus.
SGC — schwarzer Rahmen, stark bei Vintage
SGC verwendet eine Skala von 1–10 mit halben Noten und den ikonischen schwarzen Rahmen des Etiketts. In der Pokémon-Szene ist es kleiner als PSA, aber bei alten (Vintage-)Karten hat es Respekt und ist oft schneller und billiger. Die Liquidität ist niedriger — rechne damit beim Verkauf.
Schneller Vergleich der höchsten Noten
- PSA: 10 Gem Mint (nichts höher existiert)
- BGS: 9.5 Gem Mint → 10 Pristine → 10 Black Label
- CGC: 10 Gem Mint → 10 Pristine
- SGC: 10
Faustregel des Marktes: PSA 10 ≈ BGS 9.5 ≈ CGC 10 Gem Mint bewegen sich preislich nah beieinander (PSA ist aufgrund der Liquidität meist am teuersten); BGS Black Label und CGC Pristine 10 sind eine Klasse höher.
Wann lohnt sich Grading
Rechne immer die gleiche Gleichung: erwarteter Preis in der Note − Rohpreis − Gebühren. Die Gebühr für einen Standard-Service liegt in der Größenordnung von 20–30 € pro Karte, dazu kommen Porto und Versicherung (von CZ/SK wird meist über Sammelservices versendet — Middlemänner — die Karten von mehreren Personen sammeln und die Kosten teilen). Die Wartezeiten ändern sich, rechne mit Wochen bis Monaten.
- Lohnt sich: gesuchte Karten in Top-Zustand (moderne Hits, Vintage Holo), wo PSA 10/BGS 9.5 ein Vielfaches des Raw-Preises kostet.
- Lohnt sich nicht: billige Karten (Gebühr frisst den Gewinn), Karten mit sichtbarem Fehler (Note 7–8 hebt den Preis nicht) und Karten, die du in einem Jahr öffnen willst — der Slab ist ein dauerhafter Verschluss.
Worauf du achten solltest
- Gefälschte Slabs existieren. Überprüfe die Zertifizierungsnummer immer in der Datenbank des Unternehmens und vergleiche das Foto, wenn die Datenbank es anbietet.
- Die Note ist nicht alles. Zwei PSA 10 der gleichen Karte können unterschiedlich aussehen (Zentrierung!) — schau dir Fotos des konkreten Stücks an.
- Triff eine nüchterne Entscheidung, bevor du die Karte sendest. Eine Lupe und gutes Licht zu Hause sparen die Gebühr für eine Karte, die offensichtlich nicht für eine Zehn geeignet ist.
Quellen
Offizielle Skalen und Richtlinien: PSA Grading Standards · Beckett Grading · CGC Grading Scale · SGC








