So erkennst du eine gefälschte Pokémon-Karte: 8 Tests, die du zu Hause durchführst
Pokémon-Karten gehören heute zu den am meisten gefälschten Sammelgegenständen der Welt. Mit steigenden Preisen wächst auch das Angebot an Fälschungen — und während man Fakes vor ein paar Jahren auf den ersten Blick erkennen konnte, gibt es heute Kopien, bei denen selbst ein erfahrener Sammler ins Wanken gerät. Die gute Nachricht: Die meisten von ihnen kannst du zu Hause und ohne spezielle Ausrüstung entlarven. Alles, was du brauchst, ist ein Handy mit Taschenlampe, eine Karte, von der du weißt, dass sie echt ist, und ein paar Minuten Zeit.

1. Preis und Herkunft — der erste Test noch vor der Karte
Die meisten Fälschungen werden nicht durch die Karte selbst entlarvt, sondern durch das Angebot. Ein Paket „50 GX-, V- und VMAX-Karten für 15 €", ein Charizard zum Drittel des Marktpreises oder komplette Sets ohne eine einzige normale Karte — das sind klassische Zeichen. In echten Booster-Packs ist die überwiegende Mehrheit der Karten gewöhnlich. Glänzende und seltene Karten sind die Ausnahme, nicht die Regel.
Du solltest auch vorsichtig sein, wenn der Verkäufer nur Bilder aus dem Internet versendet, sich weigert, die Rückseite der Karte zu fotografieren, oder dich drängt, sofort zu bezahlen.
2. Kartenrückseite
Die Rückseite ist für Fälscher überraschend schwierig. Das Original hat einen gesättigten, tiefen blauen Rand und einen sanften Farbverlauf im Wirbel um den Pokéball. Fälschungen sind normalerweise entweder zu dunkel bis violett oder umgekehrt ausgeblichen und flach, mit verschwommenen Details. Achte auch auf die Randbreite — bei Kopien ist der blaue Rahmen auf einer Seite oft deutlich breiter als auf der anderen.
3. Text, Schrift und Symbole
Original-Karten haben eine genau festgelegte Typografie, und Fälscher treffen sie selten. Achte besonders auf:
- Schrift — HP, Angriffsnamen und Zahlen sind auf gefälschten Karten oft in einer anderen Schrift, zu fett oder ungleichmäßig verteilt.
- Tippfehler — „Pokemon" ohne Umlaut, Fehler in Angriffsnamen, falsch umbrochener Text. Auf einer echten Karte findest du praktisch keinen Tippfehler.
- Energiesymbole — bei Kopien sind sie oft zu groß, verschoben oder in einem anderen Farbton.
- Sinnlose Zahlen — HP oder Schaden, wie sie auf keiner echten Karte vorkommen, oder ein Angriff ohne Energiekosten.
4. Lichttest
Leuchte mit der Handy-Taschenlampe von hinten durch die Karte. Original-Karten haben in der Mitte eine dunkle Schicht, daher lässt sie nur wenig gedimmtes Licht durch. Viele Fälschungen sind auf normalem Karton gedruckt und lassen deutlich mehr Licht durch — manchmal kann man sogar den Abdruck eines Fingers sehen.

Führe den Test immer neben einem echten Original aus der gleichen Ära durch. Verschiedene Editionen lassen Licht leicht unterschiedlich durch, und bessere Kopien bestehen auch diesen Test, daher ist er allein kein Beweis. Es ist ein Puzzleteil.
5. Kartenkante
Schau dir die Karte von der Seite an — am besten durch eine Lupe oder mit der Kamerafunktion deines Handys mit Zoom. Bei den meisten englischen Karten ist an der Kante in der Mitte eine dünne dunkle Linie sichtbar. Es ist die gleiche Schicht, die Licht dämpft. Fälschungen haben sie normalerweise nicht, und die Kante ist vollständig weiß oder grau. Japanische Karten werden anders hergestellt, daher vergleiche sie nur mit japanischen Karten.
Im Internet wirst du oft den Rat finden, die Karte aufzureißen und ins Innere zu schauen. Das funktioniert — aber du zerstörst damit die Karte. Das macht nur Sinn bei einem Exemplar, bei dem du bereits ziemlich sicher bist, dass es wertlos ist.
6. Dicke und Oberfläche
Nimm die verdächtige Karte und das Original zwischen die Finger. Fälschungen sind normalerweise merklich dünner und nachgiebiger oder umgekehrt steif wie Pappe. Sie haben oft auch eine andere Oberfläche: zu glänzend, als wäre sie laminiert, oder völlig matt und rau. Biege die Karte nicht unnötig — du erkennst den Unterschied auch ohne das, und du könntest das Original beschädigen.
7. Holo-Effekt und Textur
Bei glänzenden Karten beobachte, wo und wie sie glänzen. Bei einem Original ist der Holo-Effekt nur an genau bestimmten Stellen — bei einer klassischen Holo-Karte im Illustrationsfenster, bei Reverse-Holo auf dem Rest der Karte — und verändert sich mit dem Lichteinfall. Fälschungen glänzen oft gleichmäßig und durchgehend, als ob jemand eine Regenbogenfolie daraufgeklebt hätte.
Moderne ultraselten Karten — Full Art, Illustrationen, Gold- und „Rainbow"-Karten — haben zusätzlich eine feine tastbare Textur. Unter deinem Finger können Rillen und im Licht ein Muster sehen. Eine glatte Oberfläche dort, wo eine Struktur sein sollte, ist eines der zuverlässigsten Zeichen einer Fälschung.
8. Nummer, Edititionssymbol und Vergleich mit dem Katalog
Jede Karte hat unten eine Nummer (zum Beispiel 058/165), ein Edititionssymbol und eine Zeile mit Copyright. Bei Fälschungen stimmen diese Daten oft nicht: Die Nummer existiert nicht in der Editition, das Symbol gehört zu einer anderen Serie oder das Copyright gibt das falsche Jahr an.
Achte auf eine Ausnahme: Geheime seltene Karten haben eine Nummer höher als die Anzahl der Karten in der Edition — zum Beispiel 205/165. Das ist in Ordnung und kein Zeichen einer Fälschung.
Die schnellste Überprüfung ist ein Vergleich der Karte mit dem offiziellen Bild. In Katalog findest du Karten nach Editition und Nummer auch mit Bild — ein kostenloses Konto ist erforderlich. Wenn die Illustration, das Text-Layout oder die Nummer nicht übereinstimmen, stimmt etwas nicht.
Schnelle Übersicht
| Original | Häufige Fälschung | |
|---|---|---|
| Rückseite | gesättigtes Blau, scharfe Details | zu dunkel, violettlich oder ausgeblichen |
| Licht | lässt wenig Licht durch und gedimmt | leuchtet deutlich durch |
| Kante | dünne dunkle Linie in der Mitte | ganz weiß oder grau |
| Text | saubere Typografie ohne Fehler | andere Schrift, Tippfehler, falsche Symbole |
| Holo | nur an bestimmten Stellen | ganze Karte wie Regenbogenfolie |
| Textur | Full Art sind strukturiert | glatte Oberfläche |
| Preis | entspricht dem Markt | verdächtig niedrig |
Vorsicht auch bei gefälschten bewerteten Karten
Auch ganze „Slabs" — Kunststoffbehälter mit Bewertungen von PSA, CGC oder BGS — werden gefälscht. Darin kann eine gefälschte Karte oder ein Original mit einer erfundenen Note sein. Jeder Behälter hat eine Zertifikatsnummer, die du auf der Website des Unternehmens überprüfen kannst: Karte und Note müssen stimmen, und bei neueren Exemplaren siehst du auch ein Foto. Achte auch auf das Etikett und das Hologramm — Schrift, Farben und Ausrichtung. Mehr über die Bewertung findest du im Artikel Was ist Kartenbewerung und wann lohnt es sich.
Wie du Fälschungen beim Kauf vermeidest
- Bitte um nahaufnahmen — Vorderseite, Rückseite und Kantenschärfen, idealerweise mit einem Zettel mit deinem Namen und Datum. Bei einer teureren Karte auch ein kurzes Video, wie es sich beim Bewegen glänzt.
- Überprüfe den Verkäufer — seine Geschichte, Bewertungen und ob hinter dem Konto ein echter Mensch steht.
- Bei hohen Summen persönlich — überprüfe die Karte in deiner Hand, bevor du bezahlst.
- Bezahle nicht auf unsichere Weise — zum Beispiel über PayPal „Freunde und Familie" beim Kauf von einer fremden Person. Wenn etwas nicht stimmt, hast du keine Beanstandungsmöglichkeit.
Wenn du versiegelte Produkte kaufst, lies auch den Artikel Wie du einen gefälschten Pokémon-Booster-Box vom Original unterscheidest und allgemeine Tipps im Artikel Wie du Sammelkarten online sicher kaufen und verkaufen kannst.
Du hast eine gefälschte Karte erhalten. Was nun?
- Dokumentiere alles — Fotos der Karte und des Pakets, die Anzeige, die Konversation und der Zahlungsbeleg. Lösche nichts.
- Kontaktiere den Verkäufer und fordere schriftlich eine Rückerstattung an. Auch ein ehrlicher Verkäufer könnte die Karte unbeabsichtigt als Original gekauft haben.
- Nutze den Zahlungsschutz — bei PayPal einen Streit öffnen, bei Kartenzahlung die Transaktion über die Bank beanspruchen. Beide haben Fristen, daher zögere nicht.
- Melde den Verkäufer — mit der Schaltfläche Melden direkt in der Anzeige, mit dem Grund „Fälschung oder umverpacktes Produkt". Das Angebot von Fälschungen ist nach Gemeinschaftsrichtlinien verboten.
- Bei höheren Summen oder offensichtlichem Betrug erstattest du Anzeige bei der Polizei.
Ist der Verkauf gefälschter Karten strafbar?
Eine gefälschte Karte zu besitzen ist nicht illegal — viele Menschen haben sie als Spielzeug für Kinder oder als „Proxy" zum Spielen. Ein Problem entsteht beim Verkauf. Wer eine Fälschung als Original verkauft, täuscht den Käufer, und bei höherem Schaden kann es sich um Betrug nach Strafrecht handeln. Der Verkauf von Nachahmungen mit fremden Markenzeichen kann darüber hinaus eine Verletzung der Rechte des Eigentümers sein.
Wenn du eine gefälschte Karte hast, verkauf sie nicht weiter — weder billig noch mit einer Notiz. Der nächste Eigentümer könnte sie dann als Original weitergeben.








